Der Vorhof der Heiden - Der Zuschauer
Gottesdienst
Das letzte mal haben wir etwas den Weg zum Tempel betrachtet, die
gegenseitige Ermutigung und die Freude, die das Volk
Israel hatte, wenn es sich auf den Tempel zu bewegt hat. Und wir haben gesehen, daß auch wir uns gegenseitig zum Gottesdienst
ermutigen sollten, und daß wir uns auf den
Gottesdienst vorbereiten sollten, jeder persönlich für sich.
Doch jetzt wollen wir den Tempelbereich betreten. Das Tempelgebäude
war umgeben von verschiedenen Höfen. Doch da der
Altar und der Tempel noch einmal erhöht waren, und die Höfe offen, konnte man die Gottesdienste, die Opfer und alles, was vor sich
ging, verfolgen.
Der äußerste Hof war der Vorhof der Heiden. Es war ein Bereich zwar
auf dem Tempelberg, aber noch nicht innerhalb des
Tempels. In den Tempel durften nur Juden, also die, die zum Volk Gottes gehörten. Doch da das Volk Israel ein missionarisches
Volk war und es schon immer das Anliegen Gottes war,
sich den Menschen zu offenbaren, durfte jeder den Gottesdienst mitverfolgen und miterleben, auch wenn nicht jeder in den Tempel und an
dem Gottesdienst teilhaben durfte.
In sofern gab es schon in der Konstruktion des Tempels eine klare
Abgrenzung zwischen dem Volk Gottes und den Heiden,
obwohl es für die Heiden immer schon die Möglichkeit gab, sich zu Gott zu bekehren und so Teil des Volkes Gottes zu gehören. Doch nur das
Volk Gottes konnte wirklich Gottesdienste feiern,
nur das Volk Gottes war Teil des Gottesdienstes, alle anderen waren nur Zuschauer. Um wirklich am Gottesdienst Teil zu haben und in die
Gegenwart Gottes zu kommen, mußte man Teil des
Volkes Gottes sein, oder man blieb nur Zuschauer.
Doch war man Teil des Volkes Israel, war man auch Teil des
Gottesdienstes und konnte nicht mehr nur Zuschauer
sein. Man konnte nicht als Jude im Vorhof der Heiden bleiben, es gab kein Niemandsland zwischen dem Tempel und dem Vorhof der
Heiden, es war "rein oder raus", "entweder -
oder", keine Grauzone.
Auch heute ist das noch so. Nur wenn wir Teil des Volkes Gottes sind,
wenn wir zu Gott gehören, können wir wirklich
Gottesdienst feiern. Das Volk Gottes wird im Neuen Testament nur neu definiert. Denn im AT waren es die Nachkommen Abrahams, doch jetzt sind
es die, die durch Jesus Christus und das, was er
für uns am Kreuz getan hat, gerettet sind. 1. Petrus 2, 9-10 beschreibt die Gemeinde Jesu Christi als das auserwählte Geschlecht, das
heilige Priestertum, die wir einst kein Volk waren,
jetzt aber Gottes Volk sind.
Doch auch hier gibt es keine Grauzone. Entweder wir sind wiedergeboren,
aus Wasser und aus Geist, wie es in Joh. 3,5 steht,
oder wir befinden uns immer noch im Vorhof der Heiden und sind nur Zuschauer, die noch nicht in den Tempel eingekehrt sind. Wenn wir
nicht dieses Zeugnis des Heiligen Geistes in unserem
Geist tragen, daß wir Gottes Kinder sind (Römer 8,14-17), dann befinden wir uns als Zuschauer im Vorhof der Heiden und haben noch keinen
Teil am eigentlichen Gottesdienst und an der
Gemeinschaft mit Gott.
Doch auf der anderen Seite gibt entweder Zuschauer oder Beteiligte. Und
sind wir durch Jesus Christus adoptiert in das Volk
Gottes, so können wir, wenn wir in den Gottesdienst gehen und die Gegenwart Gottes erfahren möchten, nie wieder unbeteiligte Zuschauer
sein. Wenn wir als Volk Gottes in den Tempel gehen,
dann sind wir Teil des Gottesdienstes, ob aktiver oder passiver Teil, aber wir sind immer Teil des Gottesdienstes und nie Zuschauer. Denn mit
einer Zuschauermentalität gehen wir zurück in den
Vorhof der Heiden. Und wie oft gehen wir in den Gottesdienst
ohne Erwartung, ohne die Bereitschaft zu haben, dabei zu sein und gegebenenfalls auch zu geben, nicht nur zu nehmen? Wie oft gehen wir zum
Gottesdienst mit dieser Zuschauer-Einstellung?
Wenn wir Gottes Gegenwart unter uns erleben wollen, dann dürfen wir
nicht im Vorhof der Heiden bleiben, wir können
keine Zuschauer sein. Laßt uns danach streben, das wir alle Teil des Gottesdienstes zu werden, damit wir als das auserwählte Volk Gottes in
den Tempel gehen, und dort unserem Himmlischen Vater
begegnen und ihm dienen, wie er es mag.
Erich Lotz junior