Grußwort
Dieser Gemeindebrief liegt gerade rechtzeitig zum Gemeindefest aus. An
dieser Stelle grüßen wir deshalb insbesondere alle jene Leser, die den Gemeindebrief
sonst nicht regelmäßig lesen!
Gemeindeleben kann interessant und abwechslungsreich sein und eben aus
mehr bestehen als dem sonntäglichen Kirchgang. Dabei ist der Juli dieses Jahr der
"Urlaubsmonat" für unsere Gemeinde, viele unserer regelmäßigen Kreise treffen
sich erst im August oder sogar im September wieder. Aber die vielen
"Sommerpausen" auf der Terminseite zeigen anschaulich, was bei uns normalerweise
alles los ist. Der Gemeindebrief freilich erscheint auch im nächsten Monat normal und der
Hauskreis trifft sich ebenso weiter regelmäßig.
Allen, die in ihren wohlverdienten Urlaub fahren, wünschen wir gute
Erholung und Gottes Nähe auch fern von zu Hause und der Gemeinde.
Ein fröhliches Grillfest und einen schönen Juli wünscht Euch
Der Vorhof der Israeliten - Dabei sein ist
alles
Das letzte Mal haben wir uns mit dem Vorhof der Heiden
beschäftigt, der noch nicht zum eigentlichen Tempelbereich gezählt hat, und damit, daß
man entweder zum Volk Gottes gehört oder nicht.
Nun wollen wie aber etwas weiter gehen und den Tempel und damit den
Gottesdienst betreten. Wie schon das letzte Mal erwähnt wurde, war der eigentliche
Tempelbereich den Israeliten vorbehalten, dem Volk Gottes. Doch auch da gab es dann
Unterschiede.
Als erstes betrat man den Hof der Frauen, dann den der Männer, beide
waren noch außerhalb des eigentlichen Tempelgebäudes. Auch in diesen beiden Höfen hat
man, wie im Vorhof der Heiden, den Gottesdienst, die Opfer und all das verfolgen können,
auch wenn noch einiger Abstand dazu war.
Der große Unterschied zum Vorhof der Heiden bestand darin, daß man
dazu gehörte, ansonsten tat man noch nicht viel. Alle Dienste wurden von den Priestern
verrichtet. Die Priester waren die, die dem Volk dienten und die Opfer verrichteten. Die
Israeliten brachten die Opfertiere, doch die Priester verrichteten dann den Dienst.
Insofern waren die Israeliten auch ein Stück weit, wie die Heiden, passive Teilnehmer am
Gottesdienst. Sie brachten zwar die Opfertiere mit, ließen sich aber dann bedienen. So
waren sie zwar nun Teil des Gottesdienstes, nicht mehr nur reine Zuschauer, aber ein
passiver Teil, und als passiver Teil des Gottesdienstes blieb ihnen der wahre Tempel
vorenthalten. Die Israeliten hielten sich zwar im direkten Tempelbereich auf, gingen aber
nicht selbst in den Tempel und betraten nicht den Ort, an dem Gott wohnt.
Auch in unseren Gottesdienst sieht es oft so aus. Wenn wir durch die
Wiedergeburt in das Volk Gottes aufgenommen worden sind, dann fangen wir wirklich an,
Gottesdienste zu feiern und Gott anzubeten. Jesus sagt in Johannes 4,24, daß Gott Geist
ist, und wer ihn anbetet, der muß IHN im Geist und in der Wahrheit anbeten. Durch die
Wiedergeburt unseres Geistes treten wir also in die Anbetung ein und betreten somit den
Tempel. Wo wir vorher nur Zuschauer im Gottesdienst waren, werden wir nun zum Teil des
Gottesdienstes, wenn auch meist erst zum passiven Teil.
Doch damit haben wir noch nicht die Fülle der Gegenwart Gottes in
unserem Leben erfahren, wir haben das Tempelgebäude noch nicht betreten. Auch in unseren
mennonitischen Gemeinden finden wir viele wiedergeborene Christen, die sich in den
Vorhöfen der Israeliten aufhalten. Sie kommen zum Gottesdienst, bringen ihre Opfer mit,
lassen sich aber dann nur dienen und treten nicht selbst in den Dienst ein. Sie bleiben
passiv im Gottesdienst und werden nach ihrer Wiedergeburt nicht zu den königlichen
Priestern, von denen Petrus im ersten Petrusbrief 2 schreibt.
Da sein ist nicht alles, wenn es um den Gottesdienst geht: Dabei sein
ist alles. In 1. Kor. 14, 26 fordert Paulus die Gemeinde auf, daß jeder etwas dabei hat,
wenn er / sie zum Gottesdienst kommt, damit der Leib dadurch erbaut wird. Nicht jeder wird
predigen, nicht jede die Gottesdienstleitung übernehmen, nicht jeder kann das Singen
anleiten oder vorn stehen, um zu dienen, darum geht es auch nicht. Es geht um die
Herzenseinstellung, mit der man in den Gottesdienst geht. Gehe ich, um Gott und meinen
Nächsten zu dienen oder um mir dienen zu lassen? Und wer von uns geht nicht zumindest ab
und zu in den Gottesdienst mit der Einstellung: "Was habe ich davon?" Diese
Einstellung ist zwar nicht falsch, aber doch unvollständig, denn die Frage sollte immer
sein: "Was kann ich nehmen und was kann ich geben?"
Ein konkreter Anfang, den wir machen können, um tiefer in die Anbetung
einzusteigen und uns mehr auf den Tempel und sein Zentrum zu bewegen, ist für diejenigen
zu beten, die die Dienste im Gottesdienst wie Predigt oder Leitung übernehmen, denn damit
sind wir mit dem Dienst verbunden und wir bewegen uns aus den Vorhöfen hinaus mehr zum
Tempel hin.
Erich Lotz junior