Heute geht es um die richtige Ernährung - zweifellos
ein wichtiges Thema. Die Werbung trägt es Tag für Tag an uns heran.
Gut soll es schmecken, leicht soll es sein und bei der Zubereitung kann
man schon vertraute und bewährte Frauen und Männer begrüßen, wenn
das Werbefernsehen läuft. Nun muss jeder nur noch selbst entscheiden,
was auf den Tisch kommt.
Beim Lesen der Worte aus dem Römerbrief (Römer 12,
9-16) entstand vor meinem inneren Auge das Bild eines Supermarktes
voller Lebensmittel für die geistliche Ernährung. Ja, geistliche
Ernährung, Nahrung für den glaubenden Menschen, dass sein Glaube
wachse, sein Vertrauen zunehme und seine freudige Erwartung des Heils
sich erneuere.
Das alles ist auf vielfache Weise möglich, ich muss
entscheiden, was ich jetzt brauche oder mir gönnen möchte aus
diesem Supermarkt geistlicher Lebensmittel. Eins noch, bevor wir
eintreten: Dieser Markt ist für viele Kunden geöffnet, als einzelne
und als Gemeinde werden sie umworben! Gehen wir nun hinein - was sich
wohl am Ende in unserem Einkaufswagen befinden wird? Alles können wir
ja nicht auf einmal haben. „Ich hab meinen Einkaufszettel“, höre
ich rufen, „Ich kaufe nur das Nötigste“; ein anderer „Mal sehen
was mir gefällt. Ich suche etwas für meine Party.“ oder „Ich?, ich
bin nur wegen der Sonderangebote gekommen.“
Nun treten wir ein! Gleich stehen wir vor dem großen
Regal voller Liebe (V. 9 u. 10) „O Gotteslieb so voll und frei von
alters her und immer neu!“ Aufmerksam wähle ich, öffne mich ganz
diesem kostbaren Gut. „Ich habe dich je und je geliebt. Ich habe dich
zu mir gezogen aus Güte“. Ja, das brauche ich heute, wo meine Liebe
das Verfallsdatum schon fast erreicht hat. Wo ich neulich eine
Mogelpackung abgeliefert habe - es sah nach Liebe aus, aber es war viel
mehr Berechnung dabei - kann ich nun weitergeben, überfließend.
Schön, dass ich mir von der Liebe (des himmlischen Vaters in Jesu) so
reichlich genommen habe!
Da bin ich schon beim nächsten Regal mit den
Aktionsposten (V. 11). Sie springen ins Auge. Soll ich zugreifen? Ich
überlege. Nein, entscheide ich: heute nicht, heute brauche ich keine
Tatkraft und keine neuen Pläne und neue Aufgaben, nein. Es ist jetzt
kein Bedarf, die zurückliegende Zeit war bewegt genug, kräftezehrend;
nahezu aufopfernd war die Begleitung und Betreuung - jetzt brauche ich
Ruhe vor neuen Aktionen. Ich will nichts tun, mir keine Gedanken machen
- und mich beschenken lassen.
Das darf auch sein, dass jeder ein Wort der Hl.
Schrift prüft, ob es denn jetzt ein Wort Gottes an sie/an ihn
persönlich ist. Wir dürfen, ja wir müssen auswählen nach unserem
geistlichen Bedarf und Hunger - gerade bei unserem heutigen Schriftwort
zu den wichtigen Lebensmitteln geistlichen Lebens in und mit der
Gemeinde.
Doch nun zum nächsten Regal (V. 12). Es ist extra
beleuchtet und lädt ein, sich reichlich zu bedienen: fröhlich,
geduldig und beharrlich sehe ich in großer Schrift und bewundere die
schönen Gefäße: aus Glas - für die Hoffnung, aus Ton - für die
Trübsal und: die Messingschale des Gebets. Hier kann ich nicht
vorübergehen. Ich fühle mich angesprochen mit meiner Lebenserfahrung.
Und gern fülle ich mir eine gute Menge Hoffnung in mein mitgebrachtes
Gefäß. Ich hatte in letzter Zeit viel davon verbraucht. Gut, dass ich
jetzt wieder Vorrat habe. Das stimmt mich froh.
Aber auch an dem dunklen Krug der Trübsal kann ich
nicht vorbeigehen. Ein wenig davon muss ich immer im Haus haben, sie
gehört zum Leben, das weiß ich - nur zuviel und zu lange soll es nicht
sein. Und während ich vorsichtig zugreife, geht mir ein alter Vers
durch den Sinn: „Wenn ich mir was wünschen dürfte, möchte ich etwas
traurig sein, denn wenn ich nur glücklich wäre, hätt ich Sehnsucht
nach der Traurigkeit.“
Die Gebetsschale ist wirklich einladend, die Lampen
spiegeln sich funkelnd in wohlgeformtem Rund. Es gibt kleine und große
Packungen, Stoßgebete und längere, auch besonders schöne für
besondere Anlässe, und die bewährten, die man halt einfach im Haus
haben muss.
Ich gestehe, neulich waren sie mir fast ausgegangen.
Es war mir unangenehm. Ich hatte mich mit so ein paar Parolen beholfen
wie „Kopf hoch“ oder „Halb so schlimm“ oder - ganz verrückt,
von damals noch - „davon geht die Welt nicht unter!“ Aber wissen
Sie, was mir gefehlt hat? Die Anrede, die Anrede hat mir gefehlt. Das
macht doch ein Gebet erst aus, finden Sie nicht? O, hier ist noch ein
Schönes: „Herr, deine Güte reicht so weit, soweit der Himmel ist und
Deine Wahrheit soweit die Wolken gehen. Wie köstlich ist deine Güte
Gott!“ Das hebe ich mir für einen schönen Anlass auf!
Nun sind wir schon mittendrin in unserem Supermarkt
geistlicher Lebensmittel. Wie sieht es in ihrem Wagen aus? Was brauchen
Sie? Darf es noch ein bisschen mehr sein?
(V. 13) „Gastfreundschaft“ wird hier angeboten,
Diaspora-Hilfe kann man hier kennen lernen und anwenden. Regt Sie das
an, Christen aus anderen Regionen kennen zulernen als Gastgeber/-in?
Nehmen Sie ein paar Prospekte mit!
Jetzt wird’s aber wirklich eng hier im Gang. Muss
dieser Tisch so quer stehen? Was gibt es, dass man sich so danach
drängelt? (V. 14).
Ach! Hier wird umgetauscht - Umtausch: Fluch und
Verfolgung - gegen Segen! Wer braucht denn so was? Ich sehe genauer hin.
„Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ und „Wie man in
den Wald ruft, schallt es heraus!“ „Wie du mir so ich dir“ lese
ich auf den fleckigen T-Shirts der Leute, die vor der Kabine stehen und
warten. Wenn sie herauskommen - mit schönen neuen T-Shirts in
leuchtenden Farben, lese ich: „Ich rede wieder mit dir“. „Ich
nehme es mit Bedauern zurück!“ „Ich bin dir nicht mehr böse“ und
sogar „Ich gehe zwei Meilen mit dir“ oder „Ich habe noch eine
Backe“.
Ich gehe weiter- Ich habe nichts zu tauschen. Bin
weder verfolgt noch verflucht worden - ungerecht beschuldigt, das schon,
aber das tut nicht mehr weh. Aber wenn mir ein Rachegefühl oder
Schimpfworte so in den Kleidern hängen geblieben wären, wäre ich auch
umtauschen gegangen. Das muss man loswerden, so schnell wie
möglich. Nicht wahr?!
Endlich - da ist ja die Ruhezone (V. 15 + 16) und ich
schaue mich um, wo noch ein Plätzchen ist, bin schon fußmüde. Die
Sitzgruppen haben Namen z. B. die Fröhlichen, die Weinenden, die
Einigen, die Bescheidenen, die Einsichtigen. Aber das hat scheinbar
keine Bedeutung gehabt, als sich die dort Sitzenden ihre Plätze
gewählt haben: Bei den Weinenden wird gelacht, bei den Einigen
gestritten, bei den Bescheidenen stapeln sich die Pakete, die
Einsichtigen diskutieren lauthals und bei den Fröhlichen sehe ich
betretende Gesichter:
Wo soll ich nur Platz nehmen? Bei den Einsichtigen
ist noch Platz - „...und er hat das auch gleich eingesehen!“ höre
ich sagen. „Das hätte er einsehen müssen“ ein anderer. „Es gibt
überhaupt soviel Uneinsichtigkeit unter den Menschen“ ereifert sich
ein dritter.
Merkwürdig, fällt Ihnen das auch auf: „die
Einsichtigen“ steht über der Sitzgruppe, aber dort sitzen nicht etwa
die Einsichtigen, sondern die, die über das Thema reden, über
Einsichtige und Uneinsichtige. - Und so war es natürlich auch bei den
anderen! Ein echtes Missverständnis in diesem geistlichen Supermarkt,
fast wie im wirklichen Leben - bei uns selbst und in unserer Gemeinde.
Wie ich das meine? Ganz einfach: Weil ich von Liebe, Glaube und Wahrheit
rede, vom Annehmen des Fremden, von Demut und Einsicht, weil ich
davon rede, nehme ich an, auch so zu handeln, so zu sein,
von meinen Worten schließe ich auf meine Taten.
Das habe ich bei mir beobachtet, sie vielleicht bei
sich auch, bestimmt aber bei anderen...
Falsche Sitzgruppe, falsches Etikett im Supermarkt
der geistlichen Eitelkeiten. Ein großes Missverhältnis, das beendet
werden muss: Wirkliche Nähe und Echtheit soll die Gemeinschaft
bestimmen, nicht das Reden darüber - aufstehen, Aufbruch ist angesagt!
Für heute möchte ich mit Ihnen zur Kasse gehen,
hoffe, dass Sie einige geistliche Lebensmittel eingepackt haben.
Und was erleben wir nun; „Kauft umsonst, ohne Geld“
(Jes. 55,1). Es ist schon bezahlt! Und wir ahnen, glauben, wissen von
wem, und wir treten hinaus in unseren Alltag, ein Gedanke schwingt in
uns wie Musik „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um
Gnade“. (Joh. 1,16).