Grußwort
Das Jahr 1998 geht neigt sich dem Ende zu und wie immer schaut man am
Jahresende ein wenig zurück. Bei uns war es hektisch im vergangenen Jahr und irgendwie
wünsche ich mir, daß es im Neuen Jahr besser wird - ruhiger, mehr Zeit für uns und
weniger Hektik überall. Und eben fiel mir die Jahreslosung für 1999 in die Hände.
Das Jahr 1999 steht unter dem Vers
"Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei Euch alle Tage
bis an der Welt Ende".
Ich finde, einen schöneren Zuspruch kann es gar nicht geben. Wohl alle
haben dieses Jahr mehr oder weniger oft gedacht, daß sie all die Belastungen und Sorgen
nicht mehr ertragen können. Wenn ich mich umschaue, hat jeder sein Bündel zu tragen.
Aber Matthäus sagt uns hier: wir sind nicht allein. Jesus ist bei uns, immer und überall
!
Egal, was das neue Jahr uns allen bringt: keiner wird mit seinen Sorgen
und den Belastungen des Alltags allein gelassen. Statt dessen können und sollen wir uns
freuen an unserem Leben. Mit diesem Wissen und in diesem Sinne wünsche ich Euch
Ein frohes, glückliches und gesegnetes Neues Jahr
1999
Jonas Gebet
Ich habe seit langem einmal wieder die Geschichte von Jona
gelesen. Ihr wißt schon, der mit dem Fisch. Jona wird von Gott beauftragt, nach Ninive zu
gehen und zu predigen, damit sich die Menschen dort bekehren und ihr Leben ändern. Doch
Jona ging in die andere Richtung, nahm ein Schiff nach Spanien und wollte von Gott
fliehen.
Das hat aber nicht geklappt, Gott sandte einen Sturm, der sich erst
wieder legte, als die Schiffsleute Jona über Bord geworfen haben. Doch Gott sandte einen
Fisch, der Jona verschluckte und ihn drei Tage später an den Strand spuckt. Darauf hin
geht Jona nach Ninive, predigt, daß die Stadt untergehen wird, wenn sie nicht Buße tun
und ihr Leben ändern. Die Stadt tut Buße, allen voran der König und Jona ärgert sich,
daß sein Busch, unter dem er Schatten gefunden hat, vertrocknet und daß er nun doch
keinen Stadtuntergang mitbekommt.
So weit, so gut. Wir haben alle diese Geschichte schon oft gehört, und
auch unzählige Auslegungen. Vom Fliehen vor Gottes Auftrag, vom Sturm, den wir erwarten
müssen bis zum Wurm, der den Busch anknabbert, alles wurde schon einmal in einer Predigt
aufgegriffen.
Doch was mich beim Lesen dieser Geschichte, die mir so bekannt ist,
getroffen hat, war die Veränderung, die Jona im Bauch des Fisches durchmacht.
Ich kann mir einen angenehmere Umgebung vorstellen, als im Bauch eines
Fisches zu sitzen. Alles dunkel, naß, es stinkt bestimmt erbärmlich, doch wenn wir das
Gebet durchlesen, das Jona in dieser Umgebung, gewissermaßen auf Tuchfühlung mit der
Magenschleimhaut des Fisches, gebetet hat, dann kommt davon nichts durch. Dieses Gebet
finden wir in Jona 2.
Frustration, Anklage, Hadern mit Gott in dieser Situation, alles, was
man eigentlich erwarten könnte, fehlt. Jona beginnt mit Dank und sagt, "als ich
Angst hatte, da schrie ich zu Dir, und du hörtest mich". Jona wußte wohl, daß Gott
den Sturm gesandt hat und daß Gott ihn in gewisser Weise in Gefahr gebracht hat, doch er
weiß noch viel mehr, wem er seine Rettung zu verdanken hat.
Jona beschreibt, was er so gedacht hat, als er am ertrinken war und
sagt zum Schluß zwei Dinge, die mir sehr wichtig geworden sind.
1. Vers 8: "Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den
HERRN und mein Gebet kam zu Dir in deinen heiligen Tempel."
Als Jona ganz unten angekommen war, als all seine natürliche
Sicherheit versagte und keine Schwimmweste mehr getragen hat, da schrie er zu Gott und
Gott hörte. Und das ist doch eine nur allzu menschliche Erfahrung, oder nicht. Viele von
uns kennen das, wenn nichts anderes mehr geht, dann kommen wir zu Gott. Ich kann mich
nicht daran erinnern, jemals jemanden getroffen zu haben, der sagte, daß er das so
gewollt hat. Aber ich kenne viele, die diese Erfahrung mit mir teilen und die wie ich
frustriert sind, daß das doch immer wieder zu passieren scheint. Wir vergessen Gott, bis
wir ihn in der Not brauchen, und machen uns dann Vorwürfe, daß wir ihn vorher
vernachlässigt haben.
Die Frage ist: Wie kommt es dazu? Auch zu dieser Frage sagt Jona etwas
in seinem Gebet. In Vers 9+10 lesen wir: "Die sich halten an das Nichtige, verlassen
die Gnade. Ich aber will mit Dank dir Opfer bringen. Mein Gelübde will ich erfüllen dem,
der mir geholfen hat."
Jona sagt, wenn wir uns an Nichtigkeiten, an kleine, unwichtige Dinge
halten, dann verlassen wir den Weg der Gnade. Damit stellt er die Gnade über diese
Unwichtigkeit. Wir sollten uns immer wieder die Gnade, die uns in Christus geschenkt ist,
in Erinnerung rufen, damit wir den Weg der Gnade nicht verlassen.
Und das Zurückkommen auf diesen Weg der Gnade hat mit Dankbarkeit zu
tun. Wir sollten darum beten, daß Gott uns immer mehr unser eigenes Herz zeigt, dann
werden wir zwar, wie Jona, erst einmal erleben, wie die Fluten über uns zusammen
schlagen, aber auch, wie Gott uns rettet. Und wenn wir verstehen, wie sehr wir die Gnade
Gottes und seine Rettung nötig haben, dann werden wir auch die gleiche Dankbarkeit
verspüren, die aus diesem Gebet Jonas herausklingt.