Die Jahreswende, eine Zeit der Reflexion und der guten
Vorsätze. Alle Jahre wieder schauen wir zurück auf das alte Jahr,
reflektieren, was so war, was gut lief und was nicht, und ich bin meist
frustriert. Denn ich denke an die Vorsätze des letzten Neujahrs und sehe,
wie wenig ich oft von dem umgesetzt habe, was ich mir vorgenommen habe.
Und ich denke mir: „Also gut, auf ein Neues, im nächsten Jahr wird es
besser!“, und der Kreislauf beginnt von vorn. Gute Vorsätze, wenig
Umsetzung.
Aber da muss es doch einen Weg geben, wirkliche
Veränderung ins Leben zu bringen und diesen Frust abzustellen. Als ich
mir so ein paar Gedanken gemacht habe über diesen alljährlichen Zyklus,
fielen mir zwei Hauptprobleme auf.
1. Zu hohe Erwartungen an uns selbst, und
2. Ohnmacht!
Mir geht es oft so, dass ich in vielem zu hohe
Erwartungen an mich selbst habe. Die Erkenntnis, was nicht so gut läuft
und was ich ändern möchte, ist recht einfach. Aber da gibt es so vieles.
Und von vielem habe ich den Eindruck, das hätte ich auch noch tun sollen.
Und ich schaffe nie alles, was ich so sehe. Das frustriert.
Aber Gott hat keine überzogenen Anforderungen an uns.
Wir müssen auch nicht alles tun, was uns so auffällt. Eph.2,10 sagt,
dass wir Gottes Geschöpfe sind, geschaffen die guten Werke zu tun, die er
im Voraus für uns bereitet hat, damit wir darin wandeln sollen. Im
Klartext bedeutet das, dass wir eigentlich nur die guten Werke tun sollen,
die Gott für uns bereitet hat und zu denen er uns die Kraft gibt. Und das
bedeutet es ja, dass Jesus Herr ist, das er auch bestimmen darf, was für
gute Werke wir tun.
Das beruhigt mich sehr. Meine Anforderungen an mich
selbst scheinen härter zu sein als die, die Gott an mich hat. Ich denke
oft, ich müsste all das Gute tun, das ich sehe, und daran verzweifle ich,
denn es könnte immer noch etwas mehr sein. Doch Gott hat einige gute
Werke für mich vorbereitet, damit ich sie tue, für die anderen bin ich
nicht verantwortlich. Die Hauptsache, um die ich mich kümmern muss ist,
Gott richtig zu hören und ihm zu folgen.
Die zweite Sache, die Ohnmacht, betrifft die
Veränderungen in meinem Leben. Wir haben doch alle so unsere Bereiche in
unserem Leben, mit denen wir nicht zufrieden sind und die ich einfach
nicht in den Griff bekomme. Ich bin so ein Typ, der mit vielem in meinem
Leben nicht zufrieden ist, und ich möchte es ändern. Und ich möchte am
liebsten alles zugleich ändern. Und das klappt meistens nicht. Und ich
musste und muss immer noch lernen, dass es Gott nicht eilig hat. Die Bibel
vergleicht immer wieder unser geistliches Wachstum mit dem natürlichen
Wachstum. Und wie ein Kind geboren wird, dann langsam wächst und irgend
wann dann auch erwachsen wird, so ist es auch mit der Veränderung in
unserem Leben. Veränderung braucht Zeit.
Und Veränderung ist oft wie ein Elefant, den wir
aufessen sollen. Und ein Elefant isst man schön ein Stück nach dem
anderen, man versucht nicht, ihn auf einmal zu schlucken. Wenn ich
versuche, alles in meinem Leben auf einmal zu ändern, dann versuche ich
den Elefanten zu verschlucken. Und das bringt nur Enttäuschung. Aber eine
Sache nach der anderen, das klappt viel besser.
Na ja, bleibt die Frage, wie verändere ich die Dinge
die ich nicht in den Griff bekommen. Die meisten Probleme die ich habe,
habe ich ja dadurch, dass ich bin wie ich bin. Und wenn ich mich nicht
verändere, wird sich auch mit meinen Problemzonen nichts ändern. Aber
ich kann mich selbst ja nicht ändern, sonst hätte ich es ja getan. Doch
es gibt eine Lösung: Kapitulation!
Wenn ich meine Fehler als solche anerkenne, die Bibel
bezeichnet das als Buße, und Gott um Hilfe bitten, dann gibt es
Veränderung. Und die Lösung besteht eigentlich darin, dass wir uns
selbst aufgeben, uns Gott ausliefern, uns selbst sterben. Denn wenn wir
uns selbst sterben, dann fängt die Auferstehungskraft Christi an, in uns
zu wirken. Und das ist die Kraft, die letztendlich Veränderung bringt.
Was möchte ich im neuen Jahr ändern? Ich möchte
weniger selbst ändern und Gott mehr zum Zug kommen lassen.