Gott ist ungerecht!!
Mal ehrlich, wie oft hast du das gedacht. Jedes Mal, wenn du dich
bemüht hast und es nicht geklappt hat, und bei einem anderen, der sich nicht bemüht hat,
ging alles glatt. Oder wenn du das Leid in der Welt gesehen hast, oder wenn das
Unrecht" sich einmal mehr bezahlt gemacht hat.
Wir alle kämpfen mit diesem Gefühl. David, der Mann nach dem Herzen
Gottes ja auch. Lies mal die Psalmen, wie oft er sich beklagt, dass es seinen Feinden gut
geht und ihm nicht. Wir haben da doch ein sehr klares Gespür dafür, was recht und
unrecht ist. Besonders wenn es um uns selbst geht und um unsere Rechte, da wissen wir doch
sehr gut Bescheid. Und Gott ist da oft ungerecht! Oder, um es nicht so brutal und fast
lästerlich auszudrücken: Gott geht nicht ganz konform mit unserer Vorstellung von Recht
und Unrecht!
In Mat. 20 erzählt Jesus die Geschichte eines Weinbergbesitzers, der
Arbeiter sucht. Mit den Arbeitern, die er morgens anwarb, handelte er den üblichen Preis
aus. Doch dann warb er über den Tag noch weitere Arbeiter an, mit denen er nichts
speziell ausmachte. So kamen die letzten Arbeiter erst eine Stunde vor Feierabend. Und als
es zur Auszahlung der Löhne kam, da bekamen diese letzten den gleichen Lohn wie die, die
den ganzen Tag geschuftet hatten. Mit Recht waren die verärgert. Das ist einfach
ungerecht, dass jemand, der nur eine Stunde arbeitet, den gleichen Lohn bekommt wie der,
der 12 Stunden geackert hat.
Und es gibt viele Situationen, in denen wir mit der
Gerechtigkeit" Gottes genauso wenig mitgehen können wie in dem Gleichnis von
den Arbeitern im Weinberg. Wir, wie so viele andere Menschen auch, fühlen uns oft
ungerecht behandelt.
Nun, unsere Gefühle und unser Verständnis von Gerechtigkeit hat zwei
gravierende Haken. Den Ersten finden wir auch in der Geschichte in Mat. 20. Als sich die
Arbeiter, die länger gearbeitet hatten, aufregten über ihren Lohn, da entgegnete der
Besitzer des Weinberges: Waren wir uns nicht über den Lohn einig, bevor ihr
angefangen habt zu arbeiten?? Ihr habt bekommen, was ausgemacht war, ich habe euch nicht
betrogen. Und ansonsten kann ich doch mit meinem Geld machen, was ich will und bezahlen,
wen, wie und wie viel ich will!" (Mt. 20,13-15, frei nach meiner Version). In unseren
Gefühlen über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, besonders in bezug auf Gott und wie wir
uns von ihm behandelt fühlen, vergessen wir oft, wer der Herr des Weinbergs ist. Wir
denken nicht an die Souveränität Gottes, der jedes Recht hat zu handeln, wie er will,
und der uns keine Rechenschaft dafür schuldet.
Wir schauen in unseren Überlegungen meist nicht auf Gott und seine
Versprechungen, sondern wir vergleichen uns mit anderen Menschen und wenn die etwas
empfangen, haben wir denn dann nicht ein Anrecht auf soviel mehr?? Wir müssen neu lernen,
uns an den Versprechen Gottes auszurichten, nicht an dem, wie wir unserer Meinung nach im
Vergleich mit anderen abschneiden (positiv wie negativ)! Am Ende ist Gott treu und hält
sein Versprechen, jedoch meist nicht all das, worauf wir denken ein Anrecht zu haben. Und
Gott allein steht da eine Entscheidung zu!
Der zweite Haken ist, dass wir vergessen, wie sehr jeder von uns Gottes
Gnade braucht. Genau das ist diese Ungerechtigkeit Gottes" - Gnade. Er
behandelt uns alle nicht nach dem, was wir verdient haben. Denn der Lohn der Sünde ist
der Tod (Römer 6,23), und wir alle haben den Tod verdient, die GNADENGABE GOTTES aber ist
das ewige Leben.
Ja, Gnade ist eigentlich ungerecht, denn wir bekommen nicht, was wir
verdienen. Nur wenn ich mir so ansehe, was ich verdiene, den Tod, dann bin ich nicht mehr
so darauf versessen, das zu bekommen, was mir zusteht.
Und das, was ich für mich so gerne in Anspruch nehme, diese ungerechte
Gnade Gottes, die möchte ich auch an andere weiter geben.
O Herr, lehre mich, mehr gnädig als gerecht zu sein!
Erich Lotz junior